
Pilates verstehen - ein Wort an die Trainer
Verstehst du, was du unterrichtest?
Wann ist eine Pilatesstunde eigentlich gut?
Wenn sie möglichst viele Übungen enthält?
Wenn ständig neue Varianten dazukommen?
Wenn jede Stunde anders aussieht als die vorherige?
Oder zeigt sich Qualität an etwas ganz anderem?
Wer Pilates unterrichtet, sollte nicht nur über ein großes Übungsrepertoire verfügen. Entscheidend ist, zu wissen warum eine Übung eingesetzt wird, welches Ziel sie verfolgt und wie sie sinnvoll auf dem aufbaut, was vorher erarbeitet wurde.
Denn Lernen braucht Wiederholung.
Erst wenn Bewegungen wiederkehren, können Teilnehmer Unterschiede wahrnehmen: mehr Stabilität, bessere Koordination, präzisere Ausführung, mehr Kraft oder ein verändertes Bewegungsverständnis.
Neue Varianten können diesen Prozess sinnvoll erweitern.
Aber sie sind kein Ersatz für einen methodischen Aufbau.
Deshalb lohnt sich eine kritische Frage:
Entwickelst du deine Teilnehmer weiter – oder beschäftigst du sie immer wieder neu?
Können sie nach längerer Trainingszeit Zusammenhänge erkennen? Verstehen sie, weshalb eine Bewegung vorbereitet, verändert oder gesteigert wird? Entwickeln sie zunehmend Kontrolle über ihre Bewegung?
Oder hängt die Qualität der Stunde weiterhin davon ab, dass du ihnen die nächste überraschende Übung präsentierst?
Ein umfangreiches Übungsrepertoire kann fachlich wertvoll sein. Aber die Anzahl der Übungen sagt noch nichts darüber aus, ob jemand eine Methode verstanden hat.
Pilates zu unterrichten bedeutet deshalb nicht, möglichst viel Abwechslung anzubieten. Es bedeutet, einen nachvollziehbaren Lernprozess zu gestalten.
Und vielleicht ist genau das die Frage, die wir uns als Pilatestrainer häufiger stellen sollten:
Vermittle ich meinen Teilnehmern wirklich ein Bewegungssystem – oder liefere ich ihnen nur immer neue Pilatesübungen?
